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Leseprobe "MORD IN ACHT TAGEN" | ![]() |
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Prolog
Sie hatten sich für einen Opel Vectra
entschieden. Schmutziggrau. Das würde am wenigsten auffallen.
Seit zwei Tagen regnete es, genauer
gesagt, seit den frühen Morgenstunden des Samstags. Dunkle, tiefe Wolken zogen
das ganze Wochenende über den kleinen Ort im Hochsauerland. Der Regen war
teilweise so dicht gewesen, dass man kaum mehr als dreißig Meter weit sehen
konnte. Jetzt hatte er endlich nachgelassen.
Die beiden Männer in dem
schmutziggrauen Vectra beeilten sich. Für ihr Vorhaben war dieses trübe Wetter
genau richtig. Wenn erst der angekündigte Wetterumschwung eintrat, mit
Temperaturen bis zu dreißig Grad, wäre ihr Vorhaben gescheitert. Die Dunstschleier
wurden bereits dünner, und bald würde die Sonne Sieger bleiben. Ihr gelber Ball
ließ sich bereits zwischen den Nebelwolken ausmachen.
Die Männer sprachen kein Wort. Der
Fahrer war ein blasser, schmächtiger Typ mit einer Baseballkappe, die ihm tief
im Gesicht hing. Seine knochigen Finger umschlossen das Lenkrad so fest, dass
die Kuppen weiß hervor traten. Seine Wangenknochen mahlten unaufhörlich aufeinander.
Der Beifahrer war größer, schlank und wirkte neben dem blassen Fahrer durchtrainiert.
Er hatte einen schmalen Mund und glatte, mit viel Gel gestylte Haare. Fast
gleichgültig sah er nach draußen, dabei war er hellwach und angespannt.
Er warf einen kurzen Blick zu seinem
Fahrer.
„Alles in Ordnung?“
Der Blasse nickte stumm und schaltete
einen Gang herunter. Er kannte den Wagen nicht. Er hatte den Vectra vom
Parkplatz eines großen Firmengeländes in Winterberg gestohlen. In der
Kleinstadt im Hochsauerland gab es kaum Autodiebstähle. Deshalb musste er den
Wagen noch vor Büroschluss wieder zurückstellen, um nur ja kein Aufsehen zu
erregen. Sie hatten also keine Zeit zu verlieren.
Sie fuhren an der Kirche vorbei. Der
Beifahrer drehte den Kopf und sah am Turm empor. Vielleicht ragt die Spitze
sogar aus dem Dunstschleier heraus, dachte er für einen Moment.
Sie passierten den Friedhof, den sie
mehr erahnen als sehen konnten, und erreichten ein Haus, dessen Umrisse sich
schemenhaft aus dem Nebel schälten.
Es war die Grundschule. An diesem
Montagnachmittag, dem 12. Mai, lag sie wie ausgestorben vor ihnen. Sie wussten,
dass sich nachmittags nur selten jemand in oder um die Grundschule herum aufhielt.
Der Fahrer lenkte den Vectra an den
äußersten Rand des Schulhofes und hielt an. Die Männer sahen hinaus.
Auf dem Schulhof standen drei Busse.
Sie gehörten zu dem Hotel, das etwa hundert Meter entfernt stand. Es mochten
auch zweihundert Meter sein, so genau war das im Dunst nicht auszumachen. Sie
hatten aber keinen besseren Platz finden können als den Schulhof. Der einzige
Unsicherheitsfaktor war, ob sich in der nächsten Viertelstunde jemand vom Hotel
an den Bussen zu schaffen machte.
Fünfzehn Minuten!
Viel länger hatten sie nicht einkalkuliert.
Sie stiegen aus, verriegelten aber den
Wagen nicht. Vielleicht würde es nötig sein, schnell wieder zu verschwinden.
Der schlanke Beifahrer ging einen Schritt voraus. Die
Hierarchie war eindeutig. Er bestimmte, was getan wurde. Jetzt sah man, dass er
fast einen Kopf größer als der Fahrer war.
Das Haus mit der Nummer hundertsiebzehn
war ein Bungalow. Von irgendwo her ertönte das Knacken eines schweren Motors.
Einen Augenblick blieb der Schlanke stehen und lauschte, dann zuckte er die
Schultern, fuhr sich mit dem Handrücken noch einmal über den Mund und läutete.
Es dauerte nicht lange, bis die Tür des
Bungalows sich öffnete. Eine Frau stand vor ihnen. Der Schlanke war wieder
überrascht, wie apart sie wirkte. Die Frau reichte ihm bis zu den Schultern,
trug eine dreiviertellange dunkelblaue Hose und eine helle Bluse. Das Gesicht
war leicht geschminkt, das brünette Haar frisch frisiert.
Ihre Miene entspannte sich, als sie ihn
erkannte. „Ja, bitte?“
„Guten Tag“, sagte der
Schlanke freundlich. „Wir haben eine Nachricht von Ihrem Mann erhalten.
Er sagte, dass er wichtige Unterlagen vergessen habe. Sie lägen hier im
Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer.“
„Wichtige Unterlagen? In seinem
Schreibtisch? Hat er erwähnt, worum es sich handelt?“
Der Schlanke schüttelte den Kopf.
„Er sprach von einem hellblauen Ordner, mehr eine Kladde.“
Ihre Reaktion zeigte ihm, dass sie so
etwas schon mal gesehen hatte.
„Warten Sie bitte hier“,
sagte sie. „Ich sehe nach.“
Sie wollte die Tür schließen, aber der
blasse Mann mit der Baseballkappe machte eine scheinbar zufällige
Körperbewegung zu seinem Partner hin, so dass die Tür von seiner Schulter
aufgehalten wurde und nicht ins Schloss fallen konnte. Er schob den Schirm
seiner Kappe in den Nacken.
Direkt vor ihnen führten zwei Stufen in
ein großes Wohnzimmer mit einem Eckfenster, das fast die gesamten zwei
Wandbreiten einnahm und von der Decke bis zum Boden reichte. Eine Tür zweigte
vom Wohnzimmer ab. Dort musste sich das Arbeitszimmer befinden, denn die Frau
verschwand darin.
Der Schlanke strich sich wieder über
den Mund und warf seinem blassen Begleiter einen zufriedenen Blick zu. Bisher
klappte alles wie geplant.
Nach knapp drei Minuten kam die Frau
zurück. Es fiel ihr nicht auf, dass die beiden Männer nun in der Mitte des
Wohnzimmers standen. Sie war mit ihren Gedanken beschäftigt, weil sie die blaue
Kladde nicht gefunden hatte und bemerkte den Gegenstand nicht, den der blasse
Mann mit der Baseballkappe in der rechten Hand hielt.
„Ich kann die Kladde nicht
finden“, sagte sie. „Ich...“
Erst da erkannte sie offenbar, dass der
Mann mit einer Pistole direkt auf sie zielte.
Der Schlanke sah das Erschrecken in
ihren Augen. Schieß doch endlich, flehte er seinen Begleiter stumm an. Er hörte
das dumpfe „Plopp“ des Schalldämpfers,
als sein Partner abdrückte, sah den dunklen Fleck auf der Brust der Frau, der
immer größer wurde und ihre Hände, die sie in Panik nach ihm ausstreckte.
Schnell trat er zurück. Die Frau machte noch einen Schritt auf ihn zu, dann
knickten ihre Füße ein. Sie verfehlte die Tischkante, ihre Hand griff ins Leere
und wie in Zeitlupe sank sie zu Boden.
Für Sekunden war es totenstill.
Der Schlanke spitzte die Ohren, weil er
glaubte, ein Geräusch in der Nähe vernommen zu haben. Aber da war nichts, nur
der Motorenlärm von vorhin war lauter geworden.
„Müllabfuhr?“, fragte der
Schlanke mit gedämpfter Stimme, obwohl sie niemand hören konnte.
„Ja.“ Der Fahrer steckte
die Pistole ein. „Lass uns abhauen.“
Sie warfen noch einen kurzen Blick auf
die tote Frau, dann verließen sie das Haus. So unauffällig wie sie gekommen
waren, erreichten sie ihren Wagen wieder. Diesmal verzichteten sie darauf, die
Scheinwerfer einzuschalten, was ihnen fast zum Verhängnis wurde. Als sie die
Kirche passierten, kam ihnen ein Fahrzeug entgegen. Der Fahrer sah sie erst im
letzten Moment und konnte gerade noch seinen Wagen von der Mitte der Fahrbahn
nach außen reißen.
„Das war knapp“, knurrte
der Blasse mit der Baseballkappe nach einem raschen Blick in den Rückspiegel.
„Hat er uns erkannt?“,
fragte sein Beifahrer.
„Glaube ich nicht. Nein, ich bin
ganz sicher. Der hatte genug mit seinem Wagen zu tun.“
Wenig später hatten sie die Hauptstraße
des kleinen Dorfes Züschen erreicht und fädelten sich
in den laufenden Verkehr ein. Erst am Dorfausgang musste der Fahrer die Scheinwerfer
einschalten, weil an dieser tiefer gelegenen Stelle noch dicker Nebel
herrschte.
Der Beifahrer sah auf die Uhr. Seitdem
sein Begleiter den Vectra gestohlen hatte, waren genau zweiunddreißig Minuten
vergangen.
1
Ich hatte Gabi eine Ewigkeit weder
gesehen noch gesprochen, aber ich erinnerte mich noch sehr genau an sie. Mit
Gabi verband mich eine besondere Freundschaft. Als Schüler „gingen“
wir einige Zeit lang zusammen, hielten verschämt und unauffällig Händchen, weil
unsere Eltern es nicht merken sollten. An Küsse oder Knutschen verschwendeten
wir noch keinen Gedanken. Schon das Berühren der Hände galt im streng katholischen
Hochsauerland als etwas „Verbotenes“. Der Pastor und viele Lehrer
achteten darauf, dass Jungen und Mädchen getrennt erzogen wurden. Später
verloren Gabi und ich uns leider aus den Augen.
Ihr Anruf kam deshalb für mich völlig
überraschend. Ich war gerade dabei, meinen Wagen zu waschen, eine Arbeit, die
ich hasste, die aber nach langer Zeit wieder einmal nötig war. Da meine Frau
nicht im Haus war, hatte ich den schnurlosen Hörer auf dem Beifahrersitz
liegen.
„Hallo Johannes, hier ist Gabi,
Gabi Rensenbrink.“
Ich hätte ihre Stimme fast nicht
erkannt. Sie klang kraftlos, irgendwie gebrochen.
Sie war eine geborene Renshoff und hatte einen Rensenbrink
geheiratet. Über die Namensähnlichkeit haben wir oft genug Witze gemacht.
„Mensch Gabi, wie lange haben wir
uns nicht gesehen?“
„Sieben Jahre“, sagte sie
leise.
„So lange?“
„Wir hatten damals unser
Klassentreffen.“
Jetzt fiel es mir wieder ein. Wir waren
fünfundvierzig. Normalerweise fand unser Klassentreffen alle zehn Jahre zu
unseren runden Geburtstagen statt, aber aus irgendeinem Grund war es zum
Vierzigsten versäumt worden.
„Zum Fünfzigsten vor zwei Jahren
warst du nicht da“, sagte sie mit leichtem Bedauern.
„Ich war beruflich
verhindert.“
Ich setzte mich auf die Rasenkante
neben meinen Wagen. Die nächsten Minuten vergingen mit allgemeinen Fragen wie
„Wie geht es dir?“ „Was macht deine Familie?“, dann kam
sie jedoch schnell auf den Punkt: „Johannes, warum ich dich anrufe. Es
geht um Thomas Bodeck. Seine Frau wurde ermordet.“
Thomas Bodeck hatte in der Schule neben
mir gesessen. Wir waren nicht die besten Freunde gewesen, und auch seine Frau
kannte ich kaum. Dennoch verschlug mir die Nachricht von ihrem Tod für ein paar
Augenblicke die Sprache.
„Sie ist erschossen
worden“, sprach Gabi weiter. „Hast du nichts davon gehört?“
„Nein.“
„Ich dachte, alle
Polizeistationen würden bei Mord benachrichtigt.“
„Ich bin nicht mehr bei der
Kripo. Ich bin im Ruhestand.“
„Was?“ Ich konnte ihr
Erstaunen förmlich sehen. „Du bist doch noch gar nicht so alt.“
„Es war ein Dienstunfall“,
erklärte ich.
„Was ist passiert?
Angeschossen?“
Das war immer die häufigste Annahme.
Wenn schon, dann musste ein Kriminalkommissar mindestens angeschossen worden
sein, um aus dem Dienst zu scheiden.
„Verkehrsunfall. Wir waren auf dem
Weg zu einem Tatort, als uns ein Lastwagen die Vorfahrt nahm.“
„Habt ihr denn kein Martinshorn
angehabt?“
„Wir hatten es nicht eilig. Die
Kollegen hatten bereits alles abgesichert. Wir fuhren vorschriftsmäßig fünfzig,
als der LKW auf einer abschüssigen Straße auf uns zukam. Ich saß auf dem
Beifahrersitz. Du weißt ja, Beifahrer sind am meisten gefährdet.“
„Das stimmt.“
„Ich kam erst im Krankenhaus
wieder zu mir. Knochenbrüche, Quetschungen und auf einem Ohr bin ich fast taub.
Hinzu kamen traumatische Störungen. All das reichte dem Amtsarzt, um mich
vorzeitig in Pension zu schicken.“
„Das tut mir Leid“, sagte
sie leise. Darauf blieb es eine Weile still am anderen Ende.
Ich hatte das Gefühl, sie würde gleich
wieder auflegen und fragte schnell: „Hast du nur angerufen, um mir von
dem Mord zu erzählen?“
„Ja. Ich dachte, du könntest den
Fall übernehmen.“
„Da bist du im Irrtum. Meine
Dienststelle hätte damit gar nichts zu tun. Für das Hochsauerland ist Dortmund
zuständig.“
Wäre ich noch im Dienst gewesen, hätte
ich vielleicht von dem Mord gehört, so aber war die Nachricht trotz der recht
guten Verbindungen zu meiner alten Dienststelle nicht bis zu mir
durchgedrungen. Ich hatte mir seit meiner Pensionierung fest vorgenommen, mich
nie in die Angelegenheiten von Kollegen einzumischen. Aber der Beruf lässt
einen niemals los. Jetzt hatte er mich wieder eingeholt. Ich spürte, dass Gabi
an meiner Hilfe sehr gelegen war.
„Seit der Pensionierung habe ich
viel Zeit. Wenn du willst, komme ich nach Winterberg. Für ein paar Tage kann
ich mich losreißen.“
„Das würdest du tun?“, kam
es hoffnungsvoll zurück.
„Ich kann doch meine beste
Schulfreundin nicht im Stich lassen.“
Es sollte ein Scherz sein, aber sie
ging nicht darauf ein. „Wann kannst du hier sein?“
Ich überlegte kurz. „In zwei
Tagen. Also, wenn es dir recht ist, bin ich Montag bei dir.“
„Es ist mir sehr recht.“
Ich wollte endlich wieder mal raus aus
dem Trott, dem langweiligen Alltag. Nur Inge, meine Frau, hielt mir vor, dass
ich froh sei, von ihr weg zu kommen. Überhaupt war sie in letzter Zeit sehr
streitsüchtig. „Du zappst nur durch die Kanäle
und lässt den Tag nutzlos verstreichen“, oder „Den ganzen Tag löst
du Rätsel“ und „Wann reparierst du endlich mal den
Rasenmäher“ waren noch die harmlosesten Vorwürfe. Das kam so häufig vor,
dass ich mich schon fragte, ob unsere Ehe am Ende war. Bis mir klar wurde, dass
es eine andere Ursache hatte.
Es war ihre Mutter. So ist das in Ehen.
Entweder gab es Streit wegen der Kinder oder der Eltern.
Das Verhältnis zu meiner
Schwiegermutter war bisher recht gut gewesen, nur dass meine Schwiegermutter in
letzter Zeit immer mehr an uns – und gerade an mir – etwas
auszusetzen hatte. Inges Mutter wohnte in der Nachbarstadt und war seit zwei
Jahren Witwe. Es ging ihr gut bis auf die üblichen Alterskrankheiten. Aber die
nahm ich in ihren Augen natürlich nicht ernst genug. Ich würde mich lustig über
sie machen, warf sie mir vor. Erst als ich aus Gesundheitsgründen in Pension
ging, wurden ihre Vorwürfe seltener. Aber nur für kurze Zeit, dann ging die
alte Leier wieder los, und ich konnte leider ihr gegenüber nur selten den Mund
halten.
Unter dieser verzwickten Situation litt
Inge. Sie hielt zwar zu mir, aber immer, wenn sie bei ihrer Mutter gewesen war,
kam sie schlecht gelaunt zurück. Ich vermutete, dass sie Angst hatte, von ihrer
Mutter völlig ausgenutzt zu werden, wenn ich sie allein ließ.
Jan und Christin, unsere Kinder, waren
bereits selbständig. Jan war zwanzig und studierte Medizin, Christin hatte
gerade das Abi gemacht und suchte noch nach dem richtigen Beruf. Vielleicht
wollte sie Jura studieren. Beide kamen sowieso selten nach Hause, außer wenn
sie Geld brauchten.
Ich brach am Montagmorgen auf, nach
einer Nacht, in der ich kaum geschlafen hatte. Was erwartete mich in meiner
alten Heimat, die ich lange nicht mehr gesehen hatte? Wie würde das Wiedersehen
mit den alten Schulfreunden sein, mit dem Haus meiner Eltern, mit ihrem Grab?
Welche Gefühle würden wieder wach werden? All das war mir durch den Kopf
gegangen und irgendwann, fast schon im Morgengrauen, musste ich eingenickt
sein.
Zum ersten Mal kam mir der Gedanke,
dass es vielleicht besser gewesen wäre, zu Hause zu bleiben, als ich die
Autobahn bei Wünnenberg-Haaren verließ. Ich spürte ein bisschen Unbehagen bei
dem Gedanken, in meiner alten Heimat in einem Mordfall zu recherchieren. Aber
da war ich schon seit über einer Stunde unterwegs, hatte also schon die Hälfte
meines Weges hinter mir.
Das Hemd klebte mir am Rücken. Die
Klimaanlage meines Wagens schaffte es nicht, eine angenehme Temperatur zu
halten. Am Dienstag letzter Woche hatte die große Hitze begonnen und seitdem
war es in ganz Deutschland unerträglich heiß. Und es sollte so bleiben. Nur
mein Nachbar in Bielefeld glaubte nicht daran, dass eine Schönwetterperiode mit
fast wolkenlosem Himmel lange über Deutschland liegen würde. Er muss es wissen,
dachte ich ironisch, mit fast achtzig Jahren.
Im Autoradio spielten sie „Mit 66
Jahren, da fängt das Leben an“. Ich summte mit und war froh, dass ich
vierzehn Jahre jünger war, aber das besserte meine Stimmung nur unwesentlich.
Als das Lied zu Ende war, schaltete ich
um auf den Lokalsender des Hochsauerlandes.
Der Mord an Ruth Bodeck stand im
Mittelpunkt der Nachrichten, aber es waren wie immer nur allgemeine
Informationen, die mit der überaus wichtigen Frage schlossen, wann die Polizei
endlich konkrete Spuren vorweisen könnte.
Die Strecke führte über Scharfenberg
und Altenbüren nach Olsberg. Das erste Hinweisschild
nach Winterberg im Hochsauerland tauchte auf. Noch sechsundzwanzig Kilometer.
Die Straße war gut ausgebaut. Zu beiden Seiten standen jetzt Buchenwälder,
deren Äste teilweise über den Rand bis auf die Straße ragten, ohne jedoch eine
Gefahr für die Autofahrer zu sein. Ich kannte die Strecke blind, obwohl ich
lange nicht hier gewesen war.
Bei den Wetteraussichten befand ich
mich noch zwanzig Minuten von meinem Ziel Winterberg entfernt.
„Die Aussichten für die nächsten
Tage bleiben unverändert“, meinte der Nachrichtensprecher. „Heiß,
mit Temperaturen bis zu fünfunddreißig Grad, im Hochsauerland bis
achtundzwanzig. Übermorgen ist mit einigen Wärmegewittern zu rechnen, die
vorübergehend ein wenig kühlere Luft mit sich bringen.“
Mir sollte es recht sein. Ich liebte
zwar die Sonne, aber diese Hitze nicht. Da machten sich die sieben Grad
Unterschied zwischen Bielefeld und Winterberg bereits angenehm bemerkbar.
Hinter Olsberg wurden die Berge zu
beiden Seiten höher, die Wälder waren dunkel und wirkten sehr gesund. Das
Hochsauerland rückte näher. Ein melancholisches Gefühl befiel mich, vermischt
mit Heimweh nach dieser Gegend. Ich hatte sie mehr vermisst, als ich zugeben
wollte. Wieder tauchte ein Schild auf. Noch sieben Kilometer.
Hier hat sich seit meinem letzten
Besuch viel geändert, dachte ich, als ich das Ortseingangsschild passierte.
Parkplätze waren entstanden, Einbahn- und Umgehungsstraßen gab es in alle
Richtungen und das Zentrum bestand nur noch aus Fußgängerwegen. Unter der Stadt
hatte man bereits vor über zwanzig Jahren einen Straßentunnel gebaut, so dass
der Durchgangsverkehr reibungslos fließen konnte.
Warum hatten wir nicht mal hier Urlaub
gemacht? Aber anstatt hierher zu fahren, woran wir beide – Inge und ich
– aus den ersten Jahren unserer Ehe schöne Erinnerungen hatten, fuhren
wir in den Schwarzwald. Es war, als hätten wir einen großen Bogen um meine alte
Heimat gemacht.
2
Gabi Rensenbrink
wohnte in einer Eigentumswohnung in einem Ensemble von fast fünfzig
Wohneinheiten am Stadtrand von Winterberg. Es war eine gepflegte Anlage mit
genügend Parkstreifen und Grünflächen, die auf den zweiten Blick allerdings wie
auf dem Reißbrett entstanden wirkte. Ich parkte meinen Wagen hinter einem
Kleinbus, stieg aus und läutete. Sie meldete sich sofort und sagte, dass sie im
zweiten Stock wohne.
Dort standen wir uns wohl eine
geschlagene Minute schweigend gegenüber. Die vielen Sommersprossen um ihre
Nase, mit denen wir sie früher immer als Pippi Langstrumpf geärgert hatten,
waren mit leichtem Rouge übertönt. Unter den Augen entdeckte ich einige kleine
Falten, die anziehend und sexy wirkten. Die dunkelbraunen Locken fielen bis in
den Nacken. Mein Blick glitt über ihre Gestalt, und ein leichtes Kribbeln lief
meinen Rücken hinab, denn ihre Formen waren noch genauso aufregend wie früher.
„Johannes“, sagte Gabi
endlich. „Johannes Falke – der Falke. Alter Junge, komm
rein.“
Sie zog mich über die Schwelle durch
den rechteckigen Korridor ins Wohnzimmer. Aus der Stereoanlage erklang leichte
Musik.
„Setz dich doch.“
Ich ließ mich in die hellbeige
Ledercouch fallen. Zu beiden Seiten standen kleine Tische mit weißen, fast
schlichten Lampen. Statt einer Schrankwand gab es eine Anrichte mit einem
Tablett voller Flaschen und einen Fernsehtisch, daneben eine Stehlampe. Gabi
lief barfuß, was bei dem dicken Teppich sehr angenehm
sein musste.
„Herrlich hast du es hier“,
sagte ich bewundernd.
Ein leichter Schatten fiel auf ihr
Gesicht. „Hab ich mir vom Geld der Lebensversicherung gekauft. Du weißt
doch, dass Günter tot ist.“
Sie hatte eine Andeutung am Telefon gemacht.
„Seit über zwei Jahren schon. Er
hat nicht viel vom Leben gehabt. Krebs. Wir waren über zwanzig Jahre
verheiratet. Aber setz dich. Ich habe uns Kaffee gekocht und Kuchen gekauft. Du
magst doch Kuchen?“
Mein Magen knurrte wie auf Kommando.
„Ist nicht viel. Ich wusste ja
nicht, ob du überhaupt für Kuchen bist. Sonst bleibe ich wieder auf dem ganzen
Kram sitzen. Ich will mir das Naschen abgewöhnen, werde zu dick.“
Sie stemmte ihre Hände wie ein
Mannequin in die Hüften.
„Du siehst immer noch gut aus. Du
kannst es mit jeder Zwanzigjährigen aufnehmen.“
Sie verzog theatralisch die Augen und
verschwand in der Küche. Wenig später kam sie mit einem Tablett Kuchen und
Kaffee zurück und stellte alles auf den Tisch.
„Mensch, Johannes.“ Sie
setzte sich mir gegenüber, schenkte Kaffee ein und schob zwei Stückchen Kuchen
auf einem Teller zu mir hin. „Du bist also nicht mehr bei der
Polizei?“
Ich nahm den Teller in die Hand und
lehnte mich zurück. „Nein, leider nicht. Seit einem Dreivierteljahr bin
ich Rentner.“ Ich verzog die Mundwinkel. „Ich sag meistens Rentner,
das geht besser und leichter über die Lippen und hat bei den meisten keinen so
negativen Klang. Als Pensionär hat man entweder in einer Verwaltung gearbeitet,
als Lehrer oder bei der Post – auf jeden Fall im öffentlichen Dienst -,
und die Meinung der meistens Menschen über diesen Arbeitsbereich ist nicht sehr
gut.“
„Ich weiß“, nickte sie.
„Die verdienen zu viel.“
„Genau. Deshalb bin ich
Rentner.“
Sie sah mich fragend an. „Du
scheinst dich aber nicht darüber zu freuen. Andere wären glücklich.“
Ich schüttelte den Kopf. „Ich
habe meinen Beruf geliebt. Ich war gern Kriminalkommissar.“
„Kommst du mit dem Geld
aus?“
„Es geht. Die Kinder sind aus dem
Gröbsten raus.“ Ich erzählte kurz von Jan und Christin. Danach schwiegen
wir einige Minuten.
„Möchtest du noch Kaffee, Kuchen?
Quatsch, warum frag ich eigentlich.“ Ihre Augen blitzten plötzlich
schelmisch auf. „Wir genehmigen uns einen richtigen Cognac. Das gehört
zum Kaffee.“
Gabi wartete meine Antwort gar nicht
erst ab, ging zu der kleinen Anrichte und zog zielstrebig eine Flasche heraus.
Sie war nur noch halb voll, und es sah so aus, als wäre sie in letzter Zeit des
Öfteren benutzt worden. Gabi sparte nicht beim Einschenken.
Ich nippte an meinem Glas, während sie
sich einen kräftigen Schluck genehmigte.
„Also.“ Gabi holte tief
Luft und begann ganz plötzlich, ohne Einleitung. „Also, warum ich dich angerufen
habe. Alles was ich weiß, stammt aus der Zeitung. Woher die das haben, frage
ich mich auch immer. Wahrscheinlich bluffen sie nur oder haben einen Insider
bei der Polizei. Auf jeden Fall soll es folgendermaßen passiert sein: Am 12.
Mai, also genau heute vor einer Woche, war Ruth Bodeck allein in ihrem Bungalow,
während sich Thomas auf einer Geschäftsreise in Braunschweig aufhielt. Ungefähr
gegen fünf Uhr am Nachmittag fand man Ruth tot auf dem Boden ihres Wohnzimmers.“
„Wer?“, unterbrach ich sie.
Sie zuckte bedauernd die Achseln.
„Das stand nicht in der Zeitung. Es hieß nur, dass sie tot auf den
Fliesen im Wohnzimmer gelegen habe. Du musst wissen, dass der Bungalow große
Fenster hat, die bis zum Boden reichen und man von der Seite herein sehen kann.
Am 12. war die Müllabfuhr unterwegs. Ich vermute, das heißt, wir alle vermuten,
dass einer der Müllmänner neugierig ins Wohnzimmer geblickt hat. Es gibt überall
Spanner. Sicher glaubte der Mann nicht an einen Mord, er hielt sie vielleicht
für ohnmächtig, eine Herzattacke oder so. Nach Meinung der Nachbarn muss sofort
Doktor Rohleder gekommen sein. Du kennst Rohleder?“
„Nein.“
„Er ist der praktische Arzt, Nachfolger
von Doktor Böhmer. Seit Jahren schon, guter Mann, sagt man. Ich kenne ihn
nicht, gehe zu einem anderen. Kurz darauf hat man die ganze Gegend abgeriegelt
und jeden Nachbarn vernommen. Hast du die Phantombilder gesehen?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Es sind primitive Zeichnungen,
die auf jeden x-beliebigen Mann passen. Aber es muss einen Zeugen geben.“
Das war doch schon ein Ansatz. Ich
stellte den Teller auf den Tisch. „Du sagtest, Thomas sei nicht zu Hause
gewesen.“
Sie nickte und leckte sich über die
Lippen, bevor sie fortfuhr: „Er wurde von seinem Prokuristen oder
Abteilungsleiter - so genau weiß ich gar nicht, was Maibach ist - angerufen.
Manchmal schimpft er sich Prokurist, dann wieder Abteilungsleiter, auf jeden
Fall ist er Thomas´ rechte Hand. Jürgen Maibach rief also Thomas an. Tja, und
seitdem ist eine Woche vergangen, und wir haben hier nichts, aber auch rein gar
keine weiteren Informationen erhalten. Die Polizei hüllt sich in
Schweigen.“
„Weißt du, wie der leitende
Kommissar heißt?“
„Nein. Ich weiß nur, dass Willi
diesem Kommissar nicht viel zutraut. Auf jeden Fall mag Willi ihn nicht.“
Willi Kaiser war mein Schulfreund
gewesen und seit Jahren Streifenpolizist in Winterberg.
Gabi stand auf und ging im Wohnzimmer
hin und her. Sie rieb die Hände ineinander, als suche sie nach einer Logik für
den Mord.
„Wie hat Thomas den Tod seiner
Frau aufgenommen?“
„Schwer zu sagen.“ Sie hob
die Hände. „Ich habe ihn nicht gesprochen. Ich habe auch kein großes Interesse
daran, mit ihm zu reden. Du weißt, dass er nicht viele Freunde hat.“
„Die hatte er nie“, warf
ich ein. „Er saß zwar neben mir in der Schule, konnte gut Geometrie und
ließ mich abschreiben, aber ansonsten war er eine Niete. Nein, Freunde waren
wir nicht.“
Gabi nickte. „Und die paar, die
er noch hatte, hat er sich längst vergrault. Er ist ein Ekel geworden, seit er
die Firma von seinem Vater übernommen hat. Das war vor fast fünfundzwanzig
Jahren. Glaubst du, er würde noch in unseren gemütlichen Kneipen verkehren, wie
früher einmal? Nee, nur das feinste Ambiente muss es sein. Und immer mit seinem
Geld protzen. So was kommt nicht an, Johannes, nicht bei den Sauerländern.
Kanntest du Ruth?“
„Ich bin ihr nur ein paar Mal
begegnet.“
Gabi lächelte. „Sie war eine
liebe Frau, charmant, hilfsbereit und immer freundlich. Sie sagte einmal, dass
sie Thomas liebe, und dass er gar nicht so schlecht sei, wie wir ihn alle
hinstellen. Wir würden ihn in eine Schublade stecken, und da käme er nicht
wieder raus. Wenn man jemanden liebt, sieht man über alles hinweg.“
„War er ihr treu?“
Sie verzog ironisch die Mundwinkel.
„Ich glaube nicht, aber das würde er niemals öffentlich zeigen. Er ist
ganz und gar Geschäftsmann. Ein ehelicher Fehltritt könnte ihn hier im
schwarzen Sauerland viele Kunden kosten. Nein, wenn er so etwas gemacht hat,
dann heimlich. Vielleicht liegt sogar dort das Motiv.“
„Du meinst, Thomas könnte hinter
dem Mord an seiner eigenen Frau stecken?“, fragte ich überrascht.
„Wäre das so
ungewöhnlich?“, fragte sie prompt zurück.
Nein, unmöglich war das keineswegs.
„Wir haben uns alle hier die
Köpfe zerbrochen, warum jemand Ruth Bodeck umbringen sollte, aber wir sind zu
keinem Ergebnis gekommen.“
„Wer ist wir?“
Sie sah mich verwundert an.
„Unsere Schulkollegen, Johannes. Thomas war schließlich mal in unserer
Klasse.“ Sie setzte sich wieder. „Kannst du dich in die Sache
einschalten, Johannes?“
„Ich will es versuchen“,
sagte ich vorsichtig. „Viel versprechen kann ich dir aber nicht.“
„Wende dich an Willi. Ihr ward
doch Freunde, oder?“
„Das sind wir noch, hoffe ich.
Ich habe ihn nur seit sieben Jahren nicht mehr gesehen.“
„Eine alte Freundschaft rostet
nie. Sieh uns an. Als du in der Tür standest, glaubte ich, die Zeit sei stehengeblieben. Du gehörst zu uns, Johannes.“
So etwas hatte ich insgeheim erwartet.
„Willi hätte es so machen sollen
wie du, aber er wollte nicht zum Gymnasium. Der Job als Streifenpolizist in
Winterberg reiche ihm, hat er mal gesagt. Naja, bis
da war ja auch noch kein Mord passiert. Willi wird dir alles sagen, was du
brauchst, Johannes.“
„Willi steht unter
Schweigepflicht. Aber niemand kann mir verbieten, auf eigene Faust ein bisschen
herumzuschnüffeln.“
Gabi wirkte plötzlich völlig entspannt.
„Ich bin es Ruth irgendwie schuldig. Sie hat mir über Günters Tod hinweg
geholfen, war in der ersten Zeit immer für mich da. Es war ein großer Trost,
jemanden zu haben, das kannst du mir glauben.“
Sie legte die Beine unter ihr Gesäß und
warf die dunkelbraune Lockenpracht mit einer graziösen Bewegung über die
Schulter zurück. Es war eine Geste, die ich noch gut in Erinnerung hatte, und
die mich in meiner Jugend schlaflose Nächte gekostet hatte. Ich griff zu meinem
Cognac und trank aus. Gabi schenkte nach, ohne zu fragen.
„Weißt du noch, Johannes, wie du
mich damals nach Hause gebracht hast?“, wechselte sie so unvermittelt das
Thema, dass ich einen Moment lang verwirrt war.
„Wir waren sechzehn oder siebzehn
und seit zwei oder drei Jahren eng befreundet. Wir haben uns sogar ein paar Mal
geküsst. Es war nur ein flüchtiges Berühren der Lippen.“ Sie lachte auf.
„Wenn ich daran denke, dass wir uns als Schüler nicht mal trauten, Hand
in Hand zu gehen, aus Angst, jemand könnte uns sehen und verpetzen, krieg ich
immer noch Wutanfälle. Was waren wir prüde. Aber so war das eben. Der Pastor
machte uns die Hölle heiß, und die Lehrer ebenfalls. Kaum zu glauben, dass wir
uns das gefallen ließen.“ Sie schüttelte den Kopf.
An meinen ersten Kuss mit Gabi
erinnerte ich mich noch sehr gut. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, so
aufgewühlt war ich damals gewesen.
„An diesem Abend glaubten wir,
alt genug zu sein“, sprach Gabi weiter. „Wir haben geknutscht, und
dann – dann hast du den Kragen meines Kleides gefasst und abgezogen. Sehr
vorsichtig, sehr zärtlich, das muss ich sagen, und dann hast du reingeguckt.“
Natürlich erinnerte ich mich wieder.
Damals war ich rot geworden wie ein Puter und froh, dass es stockdunkel war.
Der Mut hatte mich sofort wieder verlassen, ich glaube, ich bin so schnell ich
konnte nach Hause gelaufen. Selbst heute, mit zweiundfünfzig, war es mir immer
noch unangenehm, daran erinnert zu werden.
„Und?“, fragte ich heiser.
Ich wollte wissen, wie sie die Geschichte gesehen hatte.
„Naja,
ich dachte, endlich macht er mal was. Weißt du, ich wäre zu allem bereit
gewesen. Zu allem“, betonte sie noch einmal. „Ich dachte, wenn er
dich jetzt begrapscht und auszieht, dann lässt du es zu. Ich hatte damals auch
noch keine Erfahrung, und ich wollte es wissen. Du warst so – so –
wie soll ich sagen – so feinfühlig. Deine Hände haben mich immer schon
fasziniert, keine Schwielen, die Fingernägel nie dreckig. Genau wie
jetzt.“
Ich sah automatisch auf meine Finger.
„Du hast nie schwere Arbeit
gemacht, nicht?“
„Handwerklich bin ich eine
Niete.“
„Das macht nichts, Johannes, das
macht gar nichts. Tja, an dem besagten Abend also, da wollte ich, dass du mich
liebst. Aber du hast dich nicht getraut und ich auch nicht. Heute ist das anders.“
Gabi kam mir plötzlich sehr nahe und
ihr Parfüm roch gut. „Ich hab nebenan das Gästezimmer fertig gemacht“,
raunte sie mir ins Ohr.
So etwas hatte ich fast befürchtet.
Sanft, aber bestimmt schob ich sie zurück. „Denkst du, das wäre
klug?“ Ich konnte nicht verhindern, dass meine Stimme unnatürlich klang.
Sie ließ sich nicht beirren.
„Wieso nicht? Seit ich Witwe bin, reden sowieso alle über mich. Ich stehe
unter ständiger Beobachtung. Die Leute mögen es nicht, dass ich mir ein
unbeschwertes Leben leisten kann. Dabei hat Günter mir ein hübsches Sümmchen hinterlassen.
Das reicht bis an mein Lebensende, wenn ich sparsam bin. Ich bin sicher, dass
schon ganz Winterberg weiß, dass du bei mir bist.“
Das war mir doch unangenehm, und ich
erhob mich schnell.
„Du bist deiner Frau treu,
nicht?“
„Ja.“
Gabi senkte den Kopf. „Ich
beneide sie. Es tut mir Leid. Du bist ein feiner Kerl.“
Spontan zog ich sie von der Couch hoch,
umarmte sie leicht und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Wir haben
vielleicht viel versäumt, Gabi, aber zurückholen...? Nein, das sollten wir
nicht tun.“
Gabi nickte schwach und brachte mich
zur Tür.
„Halte mich auf dem Laufenden,
Johannes. Die Ungewissheit könnte ich nicht ertragen.“
Ich griff in meine Tasche. „Hier
hast du schon mal meine Handynummer. Du kannst mich darauf jederzeit
erreichen.“
Mit spitzen Fingern fasste sie die
Visitenkarte an. „Ich mag keine Handys. Altmodisch, wie?“
„Nein, eigentlich nicht. Du bist
nicht die einzige, die diese Dinger verabscheut. Meine Frau hasst sie geradezu.
Aber das liegt daran, dass immer, wenn wir mal irgendwo gemütlich beisammen
waren, das Handy klingelte und ich zu einem neuen Fall gerufen wurde. Ich melde
mich wieder. Wenn dir in der Zwischenzeit noch was einfällt, ruf mich
an.“
„Mach ich. Ach noch etwas.“
Sie deutete auf meine Füße. „Hast du irgendwo noch so ein Paar?“
Ich schaute an mir runter. Der linke
Fuß steckte in einem dunkelblauen, der rechte in einem schwarzen Socken.
„Ach du lieber Himmel“,
seufzte ich. „Meine alte Krankheit. Behältst du es für dich?“
„Sicher.“
Wir sahen uns an und lachten
gleichzeitig laut los. Ihr Lachen begleitete mich noch, als ich schon wieder in
meinem Wagen saß.
3
Wenig später befand ich mich in
Winterbergs Innenstadt und überlegte, ob ich auf der Polizeiwache vorbei fahren
sollte, aber es war schon spät. Ich musste mich um ein Hotel kümmern und wollte
auch noch Thomas Bodeck aufsuchen.
So fuhr ich durch den knapp dreihundert
Meter langen Waltenbergtunnel in Richtung des Dorfes Züschen weiter.
Züschen.
Meine Heimat.
Hier war ich geboren, aufgewachsen und
die ersten Jahre zur Schule gegangen. Nach meiner Ausbildung als Kommissar
hatte es mich nach Bielefeld verschlagen, nicht unbedingt sehr weit von Züschen entfernt, aber ich schob zuviel Arbeit, eine
Familie, andere Hobbys und neue Bekannte vor, so dass der Kontakt zu meinen
Klassenkameraden, mit denen ich soviel erlebt hatte, mehr und mehr abbröckelte.
Ich hatte Gabi am Telefon gesagt, dass ich beim letzten Klassentreffen
beruflich verhindert war, aber das war nur die halbe Wahrheit gewesen. Ich
wollte einfach nicht mit Geschichten aus einem kleinen Dorf am Ende der Welt
konfrontiert werden. Als meine Eltern noch lebten – sie starben vor
vierzehn und sechs Jahren – war ich hin und wieder in Züschen
gewesen.
Heute kam ich sofort auf den Hilferuf
einer ehemaligen Schulkollegin angefahren, während ich es damals manchmal als
lästige Pflicht empfunden hatte, meine Eltern zu besuchen. Der Gedanke daran
stimmte mich plötzlich traurig, und im Stillen bat ich meine toten Eltern um
Verzeihung. Aber das beruhigte mein Gewissen kaum.
Züschen lag
malerisch zwischen den hohen Bergen des Sauerlandes. Die Häuser waren in den letzten
Jahren fast alle renoviert worden, die Hauptstraße war breit und gut ausgebaut.
Der Ort hatte etwa dreitausend
Einwohner und galt als eines der schönsten Dörfer des Hochsauerlandes. Vor
vielen Jahren hatte Züschen das Goldene Abzeichen für
den Sieg im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“,
errungen. Mein Vater war sehr stolz darauf gewesen, und er hatte mir bei meinen
wenigen Besuchen fast ausschließlich davon erzählt. Ich hatte diese Erzählungen
gern gemocht, war es doch ein Stück Erinnerung an meine Kind- und Jugendzeit.
Seit Züschen
dann wie viele andere Dörfer des Hochsauerlandes nach Winterberg eingemeindet
wurde, verschwand der Name in der Öffentlichkeit mehr und mehr. Man sprach nur
noch von Winterberg. Jetzt war Züschen wieder in
aller Munde, jetzt war hier ein Mord passiert.
Das Ortsschild glänzte im hellen
Sonnenschein. Es war, als käme ich nach Hause. Der Hackelberg
im Hintergrund ragte steil in die Höhe, die Spitzen der Tannen schienen den
blauen Himmel zu berühren. Als Kind hatte ich dort schöne Stunden verbracht, gespielt
und Ski gefahren, und die Gedanken daran überschlugen sich. Auf der
Sonnenterrasse des ersten Hotels hinter dem Ortsschild waren Stühle, Tische und
riesige Schirme aufgebaut, Gäste tummelten sich um einen Reisebus.
Die Straße machte eine Linkskurve. Nur
knapp fünfzig Meter weiter stand ein Starenkasten. Vor sieben Jahren war ich
auf ihn hereingefallen, jetzt bremste ich rechtzeitig ab. Direkt neben dem
Starenkasten war eine Metzgerei. „Martin Michallek“
stand über dem Eingang. Martin achtete schon früher immer auf Qualität, und
seit dem Wirbel um BSE und Maul- und Klauenseuche schlachtete er nur Rinder und
Schweine aus dem Ort, die genau kontrolliert waren.
Ich spürte nach dem Kuchen bei Gabi
plötzlich Appetit auf etwas Deftiges, hielt an und stieg aus. Ein kleiner Weg
führte am Haus vorbei zur Metzgerei.
In der Eingangstür hingen zwei
Phantombilder. Das erste Bild zeigte einen Mann von etwa dreißig bis vierzig
Jahren mit Glatze, daneben der gleiche Mann mit Haarwuchs. Es waren in der Tat
keine guten Phantombilder, und sie passten wirklich auf jeden Zweiten.
„Wer kennt diesen Mann?“ stand darunter und: „Gesucht im
Mordfall Ruth Bodeck“.
Martins Frau Marita stand hinter der
Ladentheke. Die drei „Emms“ hatten wir
sie früher genannt.
„Ein belegtes Brötchen und eine
Dose Sprite“, sagte ich und beobachtete sie.
Marita erkannte mich nicht.
Ich legte zwei Euro fünfzig auf den
Tisch und verabschiedete mich.
Im Auto sah ich in den Rückspiegel.
Hatte ich mich so sehr verändert?
Nun ja, die Geheimratsecken waren nun
mal da, die Wangen waren breiter, und mehr Falten hatte ich auch im Gesicht.
Das Brötchen
schmeckte gut, und während ich kaute, fuhr ich weiter über die langgestreckte breite Hauptstraße zum südlichen Ende des
Dorfes. Ich kam an der Gaststätte Lamers und dem
Verkehrsamt vorbei und musste kurz anhalten, weil ein Lieferwagen vom Randstreifen
auf die Straße fuhr. Im Verkehrsamt arbeitete Georg Wellenheim, ein alter
Bekannter von mir, und im großen Schaukasten hingen ebenfalls die Phantombilder
neben den Veranstaltungsankündigungen.
Am Südende
des Dorfes befand sich das Nuhnetalhotel.
Ich hatte mich für dieses Hotel in dem
Augenblick entschieden, als ich Gabi verließ. Im Nuhnetalhotel
befanden sich zwei Kegelbahnen, auf denen ich in meiner Jugend das Kegeln
gelernt hatte. Außerdem glaubte ich, dass sich meine ehemaligen Freunde immer
noch jeden Freitag im Nuhnetalhotel trafen.
Das Zimmer war sehr gemütlich. Ich
legte mich angezogen aufs Bett, weil ich mich nur kurz ausruhen wollte, aber
als ich wieder zur Uhr sah, war es bereits neun Uhr abends. Jetzt zu Thomas
Bodeck zu gehen, hielt ich für keinen guten Zeitpunkt mehr. Außerdem hatte ich
vergessen, Inge anzurufen.
Ich zog mein Handy aus der Jacke und
wählte. Inge war sofort am Apparat.
„Ich komme gerade von
Mutter.“ Ihre Stimme klang erschöpft. Kein Wort mehr von unserem Streit.
Das mochte ich an Inge. Sie war nie nachtragend. Vermutlich war sie sogar in
dem Glauben, dass wir uns gar nicht gestritten hatten.
„Wie geht es ihr?“ Es war
eine Höflichkeitsfrage, eigentlich interessierte mich der Gesundheitszustand
ihrer Mutter gar nicht.
„Wie immer. Depressionen, keinen
Hunger, meckert nur an jedem rum.“
„Also auch an mir?“
„Na sicher. Ich glaube, sie leidet
doch an Alzheimer.“
Das hatte ich schon lange vermutet.
„Kommst du voran?“
„Ich habe noch niemanden
gesprochen.“ Vom Gespräch mit Gabi wollte ich ihr nichts erzählen. Auch
nach über fünfundzwanzig Jahren Ehe neigte Inge hin und wieder zur Eifersucht, und
gerade jetzt schien es, als sei unser Disput im Abklingen; ich wollte ihn nicht
neu entfachen.
Ich erzählte ihr auch nichts von meinen
Socken, weil ich wusste, dass es ihr sowieso egal war. Was ich anzog, hatte ich
stets alleine entschieden.
„Bestell den Kindern schöne
Grüße“, sagte ich noch und beendete das Gespräch. Anschließend ging ich
ins Hotelrestaurant, aß eine Kleinigkeit und trank einige Biere dazu. Gegen
zwölf fiel ich wieder ins Bett.
Der Stein flog wie ein Strich, traf die
Fensterscheibe genau in der Mitte. Sie zersplitterte in winzig kleine Teile.
Thomas lachte und schlug sich auf die nackten Oberschenkel. Es waren gut
fünfzig Meter von unserem Standpunkt auf der Brücke bis zu der Scheune.
„Wer macht mir das nach?“,
fragte er und blickte in die Runde.
Niemand von uns antwortete.
Wir waren zu fünft und gerade zehn
Jahre alt.
Thomas Bodeck, Willi Kaiser, Kai Barbach, Gabi und ich. Gabi war die einzige, die bisher
noch keinen Stein gegen die Scheune geworfen hatte. Zugegeben, es war eine alte
Scheune mit morschen Giebeln und zerbrochenen Seitenwänden, aber dennoch spürte
ich ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken, dass wir seit einer halben Stunde
versuchten, die wenigen heilen Teile der Scheune auch noch zu zerstören.
„Ihr seid fies“, sagte
Gabi, aber leise, ohne jede Überzeugungskraft. Sie war eben ein Mädchen.
Mädchen hatten nicht viel zu entscheiden.
Ich sah Willi an. Er dachte offenbar
dasselbe wie ich. Wir hatten auch geworfen, aber nicht mit solch einem Ehrgeiz
wie Thomas. Er wusste, dass er der beste Werfer war; Werfen war das einzige, in
dem er uns überlegen war, alle anderen Sportarten verabscheute er, und deshalb
forderte er uns immer wieder zum Wettwerfen heraus.
Und wir? Wir waren so dumm, uns darauf
einzulassen.
„Ich geh nach Hause“, sagte
Kai leise.
„Jetzt schon?“, rief
Thomas. In seinen Augen blitzte der Übermut eines zehnjährigen Jungen auf, der
sich aufgrund seines reichen Vaters alles erlauben konnte. „Jetzt geht´s erst richtig los. Wir reißen die Bretter raus. Papa
braucht immer Holz. Was ist los? Ihr wisst doch, dass uns die Scheune schon
längst gehört. Wir haben sie dem alten Holzner abgekauft.
Mensch, macht nicht solch ein Gesicht. Was ist denn dabei, wenn wir unseren Spass haben.“
„Ich will nicht“, sagte ich
und sah, dass Willi energisch nickte.
Thomas lachte wieder. „Willste mal zur Heilsarmee?“
„Nee, zur Polizei“, sagte
ich.
Im nächsten Jahr wollte ich erst mal
zum Gymnasium. Die Aufnahmeprüfung stand bald bevor, und eigentlich sollte ich
noch ein wenig dafür büffeln und mich nicht hier mit unsinnigen und
unmoralischen Dingen abgeben.
Wir hatten den Ernst des Lebens noch
gar nicht begriffen. Warum auch? Das Leben in Züschen
war doch so einfach. Unsere Eltern sorgten für uns, Gewalt oder Streit gab es
kaum und wenn, dann bekamen wir Kinder nichts davon mit. Alle
Unannehmlichkeiten wurden von uns fern gehalten. Wir Fünf besuchten zusammen
die vierte Klasse der Volksschule. Es war ein altes Gebäude, eigentlich waren
es zwei. In einem waren die Jungen im anderen die Mädchen untergebracht. Als
wenn das ein Hindernis gewesen wäre, uns zu treffen. Der Schulhof gehörte doch
sowieso allen gemeinsam, und an den Nachmittagen schafften wir es immer wieder,
heimlich zusammen irgendwo zu spielen.
Wir pflückten Pflaumen und Äpfel für
die Nachbarn, aßen mehr, als dass wir sammelten oder zogen Möhren aus der Erde,
die wir kurz abputzten und dann selbst knabberten. Wenn wir Durst hatten,
legten wir uns an das Ufer eines kleinen Quellflusses und tranken, die Fische
direkt vor unseren Augen.
Ich hatte mich schon früh für die
Polizei entschieden. Willi kam kurz danach mit demselben Berufswunsch.
„Wir bleiben zusammen“,
sagte er zu mir. „Wir werden Züschen und
Winterberg zu einer sicheren Gegend machen.“
Dafür lebten wir nun und spielten
Räuber und Gendarm. Thomas war immer der Bösewicht, Willi und ich spielten die
Gerechten.
In Züschen
gab es nur die Volksschule, die man bis zum achten Schuljahr besuchte. Nach der
vierten Klasse konnten dann diejenigen, die begabt waren, Mut hatten oder
einfach nur den Willen dazu, die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium machen. Nur
wenige eines Jahrgangs wagten diesen Schritt. Von uns waren es damals vier
gewesen. Thomas, Anke, Stefan und ich.
Die Klassengemeinschaft am Gymnasium in
Winterberg war mehr zweckmäßig als kameradschaftlich. Man traf sich nur, um
miteinander zu lernen, selten um zu spielen. Dafür waren die alten Freunde da,
die auf der Volksschule blieben. Wir verloren uns nie aus den Augen, gingen
nachmittags zum Fußball, ins Freibad, zum Räuber-und-Gendarm-Spielen
und im Winter zum Ski- und Schlittenfahren. Aus dieser Gemeinschaft heraus
entstanden auch die alle zehn Jahre stattfindenden Klassentreffen. In Züschen war man miteinander bekannt und duzte jeden. Fremden
wurde Skepsis entgegen gebracht. Sie hatten es schwer, in die Gemeinschaft
aufgenommen zu werden, und nur wenigen gelang es.
Mit vierzehn ging ich mit Gabi. Aber
außer einem Blick in ihren Ausschnitt gab es keinen weiteren Annäherungsversuch
von mir. Bald herrschte Funkstille zwischen uns. Ich musste mich mehr auf die
Schule konzentrieren und hatte nicht mehr so viel Zeit wie die Volksschüler,
die nach der 8. Klasse entlassen wurden und in Berufe gingen. Zu dieser Zeit
hatten wir schon alle Lust auf Sex, aber keinen Mut. In kleinen Broschüren, die
wir zu unserem Erstaunen vom Vikar erhielten, konnten wir nachlesen, was Männer
und Frauen miteinander „machten“. Aber schlauer wurden wir dadurch
nicht. Die umständlichen Beschreibungen sagten überhaupt nichts. Mehr
Informationen erhielten wir von den Älteren. Sie hatten alle schon Erfahrung
und brannten darauf, uns „Kleinen“ zu erzählen, wie es Männer mit
Frauen trieben.
Thomas hatte schon damals immer neue
Freundinnen. Alle sonnten sich im Glanz des reichen Sägewerksohnes, der einmal
eine gute Partie sein würde.
Er hatte natürlich auch das erste Auto.
Einen Ford Capri, hellblau mit schwarzem Lederdach. Meist raste er mit offenen
Fenstern und lauter Musik durch Züschen. Es gab noch
keine fest installierten Autoradios, aber Thomas wusste sich zu helfen. Er
kaufte ein Kofferradio, legte es auf den Beifahrersitz und drehte die Musik
auf. Niemand aus Züschen beschwerte sich. Nur einmal
sagte einer der drei Lebensmittelhändler vorsichtig, dass es doch besser wäre,
mit leiserer Musik oder geschlossenen Fenstern durch den Ort zu fahren. Er
hatte drei Wochen herbe Einnahmeverluste, weil Thomas´ Vater Stunk gegen ihn
machte.
Bald baute Thomas den ersten Unfall. Er
raste gegen einen Gartenzaun. Sein Vater nahm ihm daraufhin den Wagen für
einige Zeit ab.
Inzwischen hatten wir alle ein
Fahrzeug. Die meisten einen VW-Käfer, manche einen R4. Sie alle sahen natürlich
unscheinbar aus neben dem Ford Capri, und wir wussten das auch.
Und dann stellte er uns Ruth vor.
„Ich hab mich verlobt“,
sagte er.
Ich glaube, so dumm wie damals haben
wir nie mehr aus der Wäsche geguckt. Ruth war nett, aber doch mehr ein
Mauerblümchen – ganz im Gegensatz zu seinen bisherigen Freundinnen. Er
konnte an jedem Finger zehn haben, warum wählte er ausgerechnet ein solch
unscheinbares Mädchen?
Wir haben es nie verstanden, aber
Thomas hat sie geheiratet. Wir gaben dieser Ehe ein halbes Jahr –
höchstens, aber nun waren es fast dreißig geworden mit
einem Ende, das niemand für möglich gehalten hätte.