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Kurzkrimis

 

 

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Im Jahre 1974 begann ich, Kurzkrimis zu schreiben.

Einige Jahre später hatte ich das Glück, auf Textchefs zu stoßen, die meinen Kurzkrimis sehr wohlwollend gegenüber standen.

Inzwischen habe ich mehr als 400 Kurzkrimis in Zeitschriften veröffentlicht.

 

Zwei Kurzkrimisammlungen von jeweils 20 spannenden Kurzkrimis finden Sie in den Bänden "Schlangen für Claire" und "Der chinesische Dolch".

Zu beziehen als Taschenbuch und als ebook bei amazon.de

 

   

Hier ein Beispiel:

 

TAXIFAHRT MIT EINEM MÖRDER

 

Es war noch dunkel, als Susan Griffin am frühen Morgen nach Hause kam. Sie fuhr den Wagen in die Garage und nahm die kleine Tasche mit den Einnahmen aus dem Handschuhfach. Sie hatte eine harte Nachtschicht hinter sich, aber es hatte sich gelohnt.

Susan ging in die Küche.

»Bleiben Sie ganz ruhig und machen Sie keine falsche Bewegung«, klang plötzlich eine harte, tiefe Stimme in ihrem Rücken.

Susan erstarrte. Ganz langsam drehte sie sich um. Ein bärtiger Mann stand hinter der Tür. Er hatte ein Messer in der Hand.

»Wer sind Sie ...?«, fragte Susan stockend. »Wie kommen Sie hier herein?«

»Durch die Hintertür«, sagte der Mann. Er sprach gut Englisch, aber mit starkem Akzent. Ganz offenbar war er kein Amerikaner. »Ich brauchte nur die Scheibe einzudrücken, und schon war ich drin.«

Susan dachte an das Geld in ihrer Tasche. Vielleicht würde er sich damit zufriedengeben und sie schnell in Ruhe lassen.

»Ich gebe Ihnen alles, was ich habe.« Sie hielt ihm ihre Tasche hin.

Er winkte ab. »Behalten Sie es. Ich muss auf dem schnellsten Weg verschwinden. Sie sind doch gerade mit dem Wagen gekommen. Sie müssen mich begleiten. Als Geisel sozusagen ...«

Er brach ab, als das Telefon läutete.

»Gehen Sie nicht ran!«, befahl er.

Susan gehorchte und lauschte, als der Anrufbeantworter ansprang.

»Ich bin´s«, hörte sie Frank, ihren Mann, sagen. »Ich bin noch auf dem Weg nach Richmond. Es wird etwas später heute. Warte nicht auf mich.«

Frank schien noch einen Moment zu zögern, legte dann aber auf.

»Los!«, befahl der Mann.

Susan ging vor ihm her durch die Verbindungstür in die Garage. Ihre Hand tastete zum Schalter.

»Machen Sie kein Licht«, sagte er sofort, riss die Tür auf und stieß sie in den Wagen. Er selbst ließ sich auf den Rücksitz fallen und legte sich ganz flach.

»Haben Sie einen Stadtplan?«

»Ja.«

»Geben Sie ihn her.«

Susan Griffin gehorchte.

»Wohin wollen Sie?«

Der Mann überlegte. »Ich muss raus aus New York. Fahren Sie los. Und schalten Sie das Radio ein.«

*

Susan warf einen Blick in den Rückspiegel. Von dem Mann war nichts zu sehen. Die Musik im Radio brach plötzlich ab, und die Nachrichten begannen.

»... heute Nacht brach der aus Deutschland stammende Adrian Winter aus dem Untersuchungsgefängnis aus. Winter hat vor vierzehn Tagen seine Frau in einem New Yorker Hochhaus erwürgt. Winter sieht folgendermaßen aus ...«

Es folgte eine Beschreibung, die ihm jedoch kaum ähnlich war.

»Damit kriegen sie mich nicht. Der Beamte muss blind gewesen sein.« Plötzlich klang seine Stimme voller Bitterkeit. »Meine Frau ist schon vor einem Vierteljahr hierher geflogen. Ich musste noch einige Formalitäten in Deutschland erledigen, deshalb kam ich erst vor zwei Wochen nach. Sie hat mich in der ganzen Zeit hier betrogen. Ich habe die Nerven verloren. Ist das nicht verständlich? Alles habe ich ihretwegen in Deutschland aufgegeben, und dann dies ... Ich will nicht ins Gefängnis. Nicht hier in New York.« Er schniefte und nieste laut. »Sie wollten mich zum Arzt bringen. Da bin ich getürmt.«

Susan antwortete nicht. Immer wieder sah sie sich nach einer Polizeistreife um, aber vergeblich. Im Radio erklang schon seit einigen Minuten Musik. Keine neuen Hinweise auf Winter.

»Verdammt!«

Susan verriss fast vor Schreck das Steuer, als der Mann den Fluch ausstieß.

»Was ist los?«, fragte sie heiser.

»Ihr Wagen. Sie fahren ein Taxi?«

»Ja. Ein Yellow-cab. Sie haben es sich selbst ausgesucht.«

Einen Moment lang blieb es still, dann lachte Winter laut auf. »Hab ich im Dunkeln gar nicht bemerkt, aber nicht schlecht. Schalten Sie auf den Polizeifunk. Ich will wissen, was sie machen.«

Es knarrte und scharrte, dann kamen Meldungen, aber sie brachten nichts über Winter.

»So wichtig bin ich ihnen wohl nicht«, gluckste er. »In New York gibt es viel mehr Verbrechen, da kommt es auf einen Mord wohl nicht an. Sagen Sie mir die Gegenden, durch die wir fahren. Ich werde sie mit dem Plan vergleichen. Wenn Sie mich zur Polizei bringen, ist es aus mit Ihnen. Ich habe nichts mehr zu verlieren.«

Susan glaubte ihm aufs Wort. Sie fuhren über die Madison Avenue am Dahesh Museum und wenig später an der St. Patrick´s Cathedrale vorbei. Susan nannte Winter jedes Mal die Straßennamen.

»Man hat mich vor dieser Frau gewarnt«, flüsterte Winter nach einigen Minuten. »Sie bringt dir nur Unglück, haben meine Freunde gesagt. Hätte ich doch nur auf sie gehört.«

Plötzlich trat Susan auf die Bremse.

»He, was soll das?«

»Vor uns ist ein Unfall. Ein Wagen steht quer.«

Winters Kopf erschien zwischen den Vordersitzen. »Fahren Sie vorbei.«

»Der Platz reicht nicht.«

»Dann wenden Sie!«

Susan warf einen Blick in den Rückspiegel. »Wie soll ich das machen?«

Winter fuhr herum. Drei Fahrzeuge waren so dicht hinter ihnen, dass die Stoßstangen sich berührten. Im nächsten Moment erkannte Winter die Falle, in die er gelockt worden war.

»Du hast mich reingelegt.«

Er wollte nach ihr greifen, aber Susan hatte geistesgegenwärtig die Tür aufgestoßen und war draußen, bevor Winter reagieren konnte.

Aus einem der Fahrzeuge hinter ihr sprang Frank. Zwei andere überwältigten Winter.

»Susan.« Frank fing sie auf. »Ist dir auch nichts passiert?«

»Mir geht es gut.« Sie starrte auf das Bild vor und hinter sich. Die Straße war mit den sogenannten »Yellow-cabs«, den Taxen New Yorks, übersät.

»Wie konnte Winter sich nur so übertölpeln lassen?«, fragte Frank kopfschüttelnd.

»Er hat mir befohlen, den Polizeifunk einzuschalten. Aber er hat nicht daran gedacht, dass ich die Sprechtaste mitdrückte. Ich habe gehofft, dass ihr mich hört. Und da Winter immer wissen wollte, wo er war, war es für euch leicht, mir zu folgen.«

 

E N D E

 

© Phillip Kordes
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